ALF – Season 1 & 2

USA 1986-1988. R: Nick Havinga, Burt Brinckerhoff, Gary Shimokawa u.a. B: Paul Fusco, Tom Patchett, Steve Pepoon u.a. K: Alan Walker, Ron Miller. S: Steve Cioffi, Robert Bramwell, Michael Gavaldon, Tony Porter. M: Alf Clausen. P: Alien Productions. D: Max Wright, Anne Schedeen, Andrea Elson, Benji Gregory, John LaMotta, Liz Sheridan, Anne Meara u.a.
1167 Min. Warner Home Video ab 4.9.09

Sp: Deutsch, Französisch, Spanisch, Tschechisch (DD 2.0). Ut: Französisch, Spanisch, Niederländisch. Bf: 1.33:1.

Anarchie made in Melmac

Von Gerd Naumann Fernsehserien haben oft nur eine geringe Halbwertszeit. Auch eine erfolgreiche Serie muß nicht zwangsläufig populär bleiben, nur weil sie zu ihrer Entstehungszeit in aller Munde war. Wenn es daher eine Fernsehproduktion schafft, auch nach weit über zwanzig Jahren nicht in Vergessenheit zu geraten, dann ist das etwas Besonderes. Eine solche Besonderheit ist ALF. Die Serie um den kauzigen Außerirdischen vom Planeten Melmac ist nun auf DVD erschienen und offenbart erstaunliche Qualitäten.

Wie kaum eine andere Serie der 1980er Jahre thematisiert ALF die Befindlichkeiten der Reagan-Ära und hält ihnen den humoristischen Spiegel vor. Hier ist vor allem die Episode Großer Mann was nun? aus Staffel eins erwähnenswert. Der Außerirdische will sich gegen das atomare Wettrüsten engagieren. Mittels eines umgebauten Funkgerätes ruft Alf in der Air Force One an und verlangt den Präsidenten. Es entsteht der falsche Eindruck, es handele sich hierbei um eine terroristische Drohung. Die Verbindung zurückverfolgend gerät Familienvater Willie Tanner in das Visier der FBI-Fahnder und wird inhaftiert. In weiteren Episoden der ersten Staffel werden unter anderem das Problemfeld der illegalen Einwanderung und die absurden Methoden telefonischen Kosmetikverkaufs behandelt. Höhepunkte dieser Staffel stellen auch die Episoden rund um den Familienzwist zwischen Familie und Schwiegermutter dar. Hier greift die Serie zum einen moderne therapeutische Konzepte, etwa das Rollenspiel, auf, berührt zum anderen aber auch durch zwischenmenschliche Wärme.

Der zweiten Staffel gelingt es mühelos, den Witz und die Sorgfalt wieder aufzunehmen und die Fabel konsequent weiterzuentwickeln. Gelegentlich thematisiert die Serie auch die Spielregeln der Medienlandschaft an sich, wobei ihr eine ironische Doppelbödigkeit innewohnt. In der Episode Zur besten Sendezeit manipuliert Alf die Einschaltquotenmessung, damit seine Lieblingspolkasendung nicht abgesetzt wird. Dieses »Engagement« hat erstaunliche Konsequenzen. In solchen Plots liegt auch die Stärke der Serie. Sie schafft es mühelos, dem Zuschauer komplizierte gesellschaftliche und politische Zusammenhänge auf humorvolle und unterhaltsame Weise nahezubringen. Entsprechend ist die Qualität der Drehbücher hervorragend.

Insgesamt brachte es ALF auf vier Staffeln, wobei die letzte Episode mit einem offenen Ende abschloß. Die vorliegenden ersten beiden Staffeln liegen in einer dem Alter und den fernsehtypischen Produktionsbedingungen der 1980er Jahre entsprechenden, guten Qualität auf DVD vor. Während in den USA die Episoden nur in gekürzten Fassungen auf DVD veröffentlicht wurden, haben es die Serienliebhaber hierzulande besser. Bis auf wenige Ausnahmen, etwa einen lizenzbedingten kurzen Schnitt in Staffel eins, liegen die Folgen in originaler Länge vor. Wer intelligente humorvolle, bisweilen satirische Fernsehunterhaltung zu schätzen weiß, der liegt bei ALF richtig. 2009-12-28 09:24

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